Jedermänner on Tour

Seit 1988 unternehmen wir einmal im Jahr eine mehrtägige Fahrrad-Radtour. Anfangs waren wir nur zwei Tage auf Achse; seit 2002 radeln wir an drei tollen Tagen. In diesem Jahr waren wir zum 32. Mal unterwegs. Die Vorbereitungen erfolgten von unserem bewährten Dreiergestirn Wolfgang Körwitz, Gerd Rohde und Horst Bädecker. Die diesjährige Fahrt führte uns nach Ganderkesee.

Treffen war am Freitag, 21. Juni um 15:30 Uhr. Fünfundzwanzig hart gesottene Pedaltreter waren bereit, den Kampf mit dem Wochenende aufzunehmen. Uns war klar, dass es ein anstrengendes Wochenende für richtige Männer ohne Nerven werden wird. Bei strahlendem Sonnenschein starteten wir an der Sporthalle. Mit dem Bus samt modernem Fahrrad-Anhänger der Fa. Wiards fuhren wir bis Ganderkesee ins Hotel und weilten dort zwei Nächte. Geplant war, am Samstag eine Tour abzuradeln und abends wieder im gleichen Hotel zu enden.

Verladen wurden unsere Räder in dem modernen Anhänger. Dabei wurde jedes Fahrrad mit einer Winde in die Führung an Anhänger-Dach gehoben. Mittels Klaue wurde der Rahmen in einem Schienensystem transportiert und fest arretiert.

Während der Busfahrt hatten wir die Möglichkeit fehlende Elektrolyte aufzufüllen. Bekanntermaßen sind diese nur im Bier ausreichend vorhanden.

Wir erreichten termingenau das Hotel Oldenburger Hof. Das Haus bietet dem übernachtenden Radfahrer alle Annehmlichkeiten. In einer speziellen Garage waren unsere Hochleistungs-Bikes sicher aufgehoben.

Für die abendliche Stärkung war ein Tisch im hauseigenen Restaurant reserviert. Ein kurzer Spaziergang durch Ganderkesee ermöglichte uns die ehemalige Wirkungsstätte von Otto nahezubringen. Der bekannter Orgelbauer Arp Schnitger lebte auch In Ganderkesee; noch heute ist eine der schönsten Orgeln in der St. Cyprian Kirche zu bewundern.

Nach stärkendem Frühstück starteten wir am Samstagmorgen ohne Gepäck. Die Reise führte uns über  Große Höhe zum Segelflugplatz. Tolle Flieger und die rote Seilwinde konnten bewundert werden. Auch ein Blick in die Kabine mit allen Steuerungshebeln wurde gewährt. Eine erste Pause wurde im Sommergarten des Hotels Zur Wasserburg eingelegt. In Harpstedt wurde die erste feste Nahrung zugeführt. Dank an den Verbrauchermarkt inkoop.

In Hengsterholz erwartete uns der Kartoffel-König. Dabei handelt es sich um Ottos ehemaligen Schulfreund Dietrich Moorschlatt. Als Partner des Kartoffelzuchtunternehmens Europlant hat der Kartoffelhof Moorschlatt Zugriff auf die ältesten und jüngsten Sorten: Die Spannbreite reicht von einer irischen Züchtung aus dem Jahr 1846 bis zu Valery, Jahrgang 2010. Deren Geschmack zu erleben, war bislang nur sehr wenigen Menschen vergönnt. Inzwischen wieder im Standard-Repertoire vertreten ist die Kartoffelsorte Linda, vor wenigen Jahren noch auf Weisung von Europlant vom Aussterben bedroht. Die anhaltenden Proteste und vor allem die große Nachfrage der Verbraucher führten schließlich zum Erfolg: Mehr als 200 Sorten bietet das Unternehmen an.

Der weitere Weg führte uns vorbei an Ottos leerstehendem Elternhaus und der damals besuchten Schule. Das umfangreiche Abendessen nahmen wir in der Mongolei ein. Das geräumige asiatische Restaurant bietet allerlei Köstlichkeiten als Büffet. Zahlreiche Variationen aus schier unendlichen heißen Schalen waren für den verwöhnten Gaumen auszuwählen. Natürlich musste mit einer asiatischen Suppe begonnen werden. Zum Abschluss war eine überbackene Banane und diverse Eis- und Obstsorten Pflicht.

Den Abend haben wir im Don Gantero ausklingen lassen. Die Cocktailbar mit Außen-Terrasse befindet sich direkt am Bahnhof.

Nach kraftgebendem Frühstück musste unser Gepäck an und auf unseren Rädern verladen werden. Pünktlich starteten wir, um die letzte Etappe zu bewältigen. Im Forst Hasbruch wartete mitten im Wald eine Besonderheit auf uns. Abgezäunt und nicht zu betreten ist das Areal um eine Eiche. Hinweisschilder deuten auf 1200 Jahre alte Friederiken-Eiche. Sie ist die zweitälteste Eiche in Deutschland.

Nach so viel Kultur wurde eine kurze Rast im Vielstaedter Hof eingelegt. Wir wurden mit den Nacharbeiten einer aufwendigen Hochzeitsfeier konfrontiert. Selbst die angereisten Hochzeitsplaner legten persönlich Hand an und gaben einen Crashkurs in Sachen Hochzeit.

Im Bereich Hude stand der Planeten-Lehrpfad auf der Zielvorgabe. Der Planetenlehrpfad ist ein Modell des Sonnensystems im Maßstab 1:1 Milliarde. Man kann auf ihm von Hude nach Wüsting auf 6 Milliarden Kilometern durch unser Sonnensystem reisen. Da die Entfernungen und Größenordnungen um 1 Milliarde verkleinert sind, bleibt eine Strecke von 6 Kilometern durch schöne Natur, die sich leicht mit dem Rad bewältigen lässt.  Markantester Punkt ist am Ortseingang von Wüsting die Sonne, längst das Markenzeichen der Ortschaft. Die Sonne wurde aus dem Tank einer Ariane-Rakete geschaffen. Die ersten 1,5 Kilometer bieten dabei eine freie Sicht auf die Sonne. Dies entspricht in etwa den natürlichen Sichtbarkeitsbedingungen mit bloßem Auge von der Erde in Richtung Saturn. 

Die mittägliche Rast legten wir in Wüsting im Moritz ein. Das reichhaltige Schnitzel-Büffet war mehr als sättigend. Erst wieder auf dem Sattel wurde klar, dass doch zu umfangreich gespeist wurde.

Auf freier Strecke erwartete uns eine Überraschung. Traute Rohde stand mit dem Pkw am Straßenrand. Zu unserer Begeisterung hatte sie im Kofferraum gekühltes Bier. Die Euphorie war gar nicht mehr zu bremsen. Eine super Idee für die gequälten Jedermänner.

Der Abschluss fand Decker´s in Delfshausen statt. Die diesjährige Reise war mal wieder ein Volltreffer. Die Rahmenbedingungen stimmten. Die Fahrt führte stets über abgelegene und landschaftlich reizvolle Strecken; manchmal auch durch Sandwege. Dennoch waren wir mit zahlreichen Sicherheitswesten ausgestattet. Das feine Wetter war richtig bestellt, die Gruppe passte prima zusammen und die Stimmung war ausgelassen.

Alles in Allem: Super – weiter so.

Besonderer Dank gilt dem Dreiergestirn als Ausrichter. Wir sind uns einig, uns auch im nächsten Jahr von Wolfgang, Gerd und Horst führen und verführen zu lassen.

Eckdaten der Fahrt:

Reine Fahrtzeit:                           8:10:43 Std.

Max. Geschwindigkeit:                34,5 km/h

Ø Geschwindigkeit:                     14,6 km/h

Panne (echte):                             1

Pannen (vorgetäuschte):            5

Gesamte Strecke:                       117 km

Frank Piontek

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

   
© TuS Jaderberg

Login Form